Third Expert Meeting
17.-18. 1. 2013, Vienna

Religious Acculturation III

The workshop aims at theoretical and methodological questions and problems concerning the processes of religious acculturation and formation of religious identities in late medieval and early modern Europe. Discussed will be: a) the “search for identity” in medieval religious texts – how various identities meet and merge in them, how they influence each other, how they change and produce new qualities; b) vernacular texts, mainly translations whose main intention was to provoke a public response, either in politics or in theology or (usually) for combined uses; c) group dynamics and relations between individuals and formal and informal groups in the reconstruction of processes of cultural and religious transformation and religious acculturation; d) didactic literature, with a specific stress on Mirror of Princes - strategies of transmission of moral and religious contents and the relation between worldly, moral and religious leadership in the changing political, social and religious patterns of the very long fifteenth century; e) the interconnections between medieval images, texts, theater, and practices of viewing, reading and listening, exploring various manifestations of performance and meanings of performativity in late medieval religious life; f) forms, patterns, strategies and outcomes of the collaboration and exchange between religious individuals, clerical groups and institutions and lay individuals, groups and associations and g) theoretical background and methodological approach in research on Latin as well as vernacular religious texts, their contextualisation and the possibilities of comparison.

>programme

Internationales Symposion
5.-8. 2. 2013, Wien

Origin Stories. The Rise of Vernacular Literacy in a Comparative Perspective

Vom 5. bis zum 16. Jahrhundert etablieren sich in allen europäischen Regionen die heute sogenannten ‚Volkssprachen‘. Der Prozess des Eintritts der linguae vernaculae vel barbaricae in die Sphäre von Schriftlichkeit und Gelehrsamkeit, die im jüdisch-christlichen Bereich der Trias der ‚heiligen’ Sprachen (Hebräisch, Griechisch, Latein) und zum Teil auch dem Altkirchenslawischen vorbehalten war und bleiben wird, kann je nach sozialen Kontexten, kulturellen Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren in völlig unterschiedlicher Weise dargestellt werden. Die Tagung will die Frage nach den Anfängen volkssprachiger Schriftlichkeit im Mittelalter aufgreifen und dabei eine komparatistische Perspektive einnehmen. Diese soll möglichst die Gesamtheit jener Volkssprachen in den Blick bekommen, die im Mittelalter vom Nordwesten bis zum Südosten Europas den Sprung in jene Schriftlichkeit taten, die bis dahin den gelehrten bzw. liturgischen Idiomen vorbehalten war. Angestrebt wird im Blick auf das Ganze eine konsequente Vernetzung von überlieferungsgeschichtlichen Befunden und ihrer (historischen und literaturwissenschaftlichen) Auswertung, was bislang in dieser Form von der Forschung nicht geleistet wurde und womit auch der Blick für die wissenschaftshistorischen Prämissen der ‚Nationalphilologien‘ geschärft werden soll. Das Ziel der Tagung ist, eine möglichst breite Diskussion über die Geschichte der Anfänge volkssprachiger Schriftlichkeit im europäischen Kontext anzuregen. Es wird daher von der Perspektive der jeweiligen Überlieferungsgeschichte ausgegangen, deren Bedeutung in den philologischen und historischen Fachdisziplinen gegenwärtig ein hoher Wert beigemessen wird, wenn auch je nach Fach unterschiedlich stark akzentuiert. Die Überlieferung soll nach möglichen Mustern und Regeln, nach Praktiken und Inhalten von Verschriftung und Verschriftlichung befragt werden. Darin sehen wir die Chance, gemeinsam an einer zentralen kulturwissenschaftlichen Fragestellung im Schnittpunkt von Geschichtswissenschaft, Mediengeschichte und Literaturwissenschaft zu arbeiten.
Befragt werden sollen in dem Zusammenhang ebenfalls nationalwissenschaftliche Prämissen der einzelnen Fachtraditionen: Inwiefern rechtfertigt ein konkreter Befund der Frühestüberlieferung bereits eine Ausdifferenzierung zwischen verwandten Philologien, wie etwa Germanistik und Anglistik, oder Romanistik und Latinistik? Inwieweit (er-)fanden und (er-)finden sich die einzelnen institutionalisierten Disziplinen in den Zeugnissen ihrer Frühzeit selbst?
Dieser Ansatz setzt einen gemeinsamen methodischen Rahmen voraus. Das gängige Narrativ der jeweiligen ‚Anfangsgeschichten der Überlieferung’ von Volkssprachen soll als Gegenstand einer fachlichen und methodischen Reflexion im Hintergrund stehen. Die einzelnen Analysen sollen sich an primären Daten orientieren, verstanden als eine repräsentative Bestandsaufnahme der verschriftlichten Anfänge der jeweiligen Volkssprache, d.h. eine Übersichtsliste zu den jeweils frühesten Handschriften jenseits der Einzelwortüberlieferung. Was dabei für jede Einzelsprache als ‚repräsentativ’ für ihre jeweilige Anfangsgeschichte gilt und welcher Beschreibungszeitraum zugrunde gelegt wird, soll hier ganz bewusst nicht weiter spezifiziert oder gar vorgegeben werden (als Beispiel für eine auf Vollständigkeit zielende Bestandsaufnahme kann das ‚Paderborner Repertorium der deutschsprachigen Textüberlieferung des 8. bis 12. Jahrhunderts’ [www.paderbornerrepertorium. de] genannt werden).
Die einzelnen Bestandsaufnahmen der frühesten schriftlichen Überlieferung liefern die notwendige Grundlage für medien- und literarhistorische Analysen des Materials, die das eigentliche hermeneutische Potential des Ansatzes sichtbar machen sollen. Durch die strikt überlieferungsgeschichtliche Perspektive eröffnet sich die Chance, neue chronologische, räumliche und sachliche Zusammenhänge, neue Kontinuitäten aber auch Diskontinuitäten – sprachintern wie sprachübergreifend – in den Blick treten und beschreibbar werden zu lassen, die bisher geläufigen Zugangsweisen von Literaturgeschichte und Literaturgeschichtsschreibung verstellt bleiben mussten. Dazu gehört gewiss auch eine – bislang nicht im Ansatz unternommene – Beschreibung von Berührungspunkten der ‚Anfangsgeschichten’ untereinander, wie ein übergreifender komparatistischer Blick auf die Relation von Volkssprachen zu den liturgischen bzw. gelehrten Sprachen (s.o.).
Die Tagung hält sich in der Auswahl der Sprachen bzw. Literaturen nicht strikt an Einzelsprachen oder übergreifende Sprachfamilien, sondern wählt einen Zwischenweg, der nicht zuletzt der wissenschaftshistorisch bedingten Beschreibungspraxis im modernen universitären Zusammenhang geschuldet ist. In Frage kommen folgende Sprachen bzw. Sprachgruppen: Die westgermanischen Sprachen (Deutsch, Niederländisch, Friesisch, Englisch), Gotisch, Skandinavisch (mit Isländisch, Schwedisch, Norwegisch Dänisch), Französisch, Italienisch, Iberoromanisch (Spanisch, Portugiesisch, Katalanisch), Irisch (Gälisch), Keltisch, Finno-ugrisch, Georgisch, Armenisch, Baskisch und die Sprachen der slawischen Gruppe der Indogermania. Dazu sollen exemplarisch Vergleiche zu derselben Fragestellung in anderen Sprach- und Kulturkreisen angestellt werden, etwa zum Sanskrit, Chinesisch, Persisch oder Türkisch.
Das konkrete, übergeordnete Erkenntnisinteresse, das wir mit diesem Ansatz verfolgen, wollen wir in drei Problemfelder unterordnen, die im Hintergrund jeder ‚Anfangsgeschichte’ stehen. Sie werden in Form systematischer methodisch-theoretischer Querschnitte als einführende Beiträge (Key-Note-Lectures) neben den geplanten überlieferungsgeschichtlichen Einzelfallstudien thematisiert. Ziel ist dabei eine gewisse Harmonisierung von Forschungspositionen, die sich in der aktuellen Wissenschaftslandschaft auf unterschiedlichen Ebenen begegnen, wobei sie gleichzeitig in ganz elementarer Weise aufeinander angewiesen sind. Der Blick auf die Anfänge von Überlieferung im europäischen Kontext soll mithin zu einer ersten, gewiss tentativen Antwort auf die Frage führen, ob und wie weit spezifische oder auch gemeinsame Regeln und Mechanismen in der Formierung verschiedener Überlieferungskulturen herauszufinden sind.

>programme

VI. Workshop „Apokalyptik und Prophetie im Mittelalter“
26-28 June 2013

The Translations of John of Rupescissa’s Vade mecum in tribulatione (1356)
into Seven European Vernaculars II

In June 2013 took place the second meeting concerning the medieval translation of Vademecum in tribulation into seven vernacular languages. The participants presented results of their research and continued in the discussions which are vivid already almost three years. At the moment we have transcriptions of the vernacular texts (in some cases complete editions indeed) and can follow the way of looking for the story of transmission of the text in vernaculars and the mutual textual influences. In Prague we have noted close relations between German, one of Czech and French translation. The same we can say about French and Italian translation as well. The team has to continue on working on the texts in next month in order to prepare all critical editions, to find all the textual relations and publish the book about it all.

>programme

International Medieval Congress
1-4 July 2013, Leeds

Ideology of Translation, I: The Office of the Translators

Regarding the officially translated correspondence of the (Western as well as Byzantine) (imperial) courts the session focusses on these translators and their work from a sociolinguistic point of view: On the one hand the officeholder are exemplarily analysed by their ability as well as accuracy of handling the language of the addressee (abroad), i.e. how important the chancellery regarded an adequate rendering of its correspondence and which mode of translating had more weight: ad litteram or ad sensum. This topic raises the question whether the basic text itself to an addressee abroad is formulated in a higher (rhetorical) stylistic level, therefore for a non-native speaker a priori difficult, if not incomprehensible (at least in a literary translation), or if the addresser wants to make advances to the addressee by using a lower style, respecting also the difficulty of his translator to handle the text in an adequate way. In this sense the discourse element of the correspondence is analysed from its direct contact between addresser and addressee via the translation. On the other hand, the sociolinguistic aspects is presented with regard to the distinction of the basic (original) text (the text studied for historical analyses of relationship) and the translated or even interpreted text which the addressee really (understands and) reads and normally is the textual basis a correspondent is referring to (with all the accompanying problems e.g. In theological discussions of translated bible or patristic passages).

>details

Ideology of Translation, II: Politics of Translation

This session will be devoted to translations whose main intention is to provoke a public response, either in politics or in theology or in both. It is a social phenomenon that ever since a writing and reading culture exists persons outside of a particular social group try to influence it by approaching it in their communication way. Here, this aspect is analysed from the point of view of translated texts made by a cultural as well as political (and/or theological) well defined society which should intrude into the others' society to convince, persuade or win its members for a particular position. Thus, translations are studied as a medium of intercultural or intersocial contact and influence. On this occasion the question arises which means were used to succeed and why a text failed success. The session will emphasize the causes and motives of influencing within the society(ies) by translations and how these translations could reach its audience and therefrom take influence on a particular society. Significant for this category are translations of theological texts to convince a society of the unadulterated faith, as mirrored in translations in times of union debates as well as of theological controversies. Through the translation and the intention of reaching a broader audience these texts attain a significant sociolinguistic dimension.

>details

Ideology of Translation, III: Translation and the Cultural Dynamics

Medieval literature presents a great deal of translations which cannot be exclusively assigned to politically or theologically motivated translations. Regarding these aspects from a sociolinguistic point of view the question arises which topics are so uniform that another culture can adopt it in its language or where has a translator to change it to his culture, a phenomenon which may be defined as (unconscious) cultural censorship. If a translated text is accepted, the sociolinguistic research can trace the social factors of its influence and audience. The topic itself is not convincing enough that a text was translated with a special interest and that this translation is accepted in the surroundings of a new society; the society must also be 'disposed' to accept this text (if successful). There are texts which only a very small audience group were interested in (and thus made or arranged a translation), socially they had no further influence. On the other side some translations (as the works of Aristotle) broadened the horizon of a society and were warmly welcome, texts which in former times had no or not this great success of influence. In this sense translations mirror also the social development and attention to special topics and its 'need' of texts from other cultures/societies. The acceptance or refusal of such translated texts reflects in consequence a closer or more remote feeling towards the other society.

>details

Akademiekonferenz junger Wissenschaftler aus Deutschland und Tschechien
30. 9.-2. 10. 2013, Heidelberg

Heilige, Helden, Wüteriche. Verflochtene Herrschaftsstile im langen Jahrhundert der Luxemburger


Organisatoren: Martin Bauch, Julia Dücker, Tomáš Gaudek,
Paul Töbelmann, Vaclav Žůrek

Zwischen 1308 und 1437 herrschten vier Angehörige der luxemburgischen Dynastie über das Heilige Römische Reich sowie weite Teile Europas. Hinsichtlich der kulturell-politischen Sozialisierung wie auch in Bezug auf konkrete Erscheinungsformen von Herrschaft und Königtum wurde die Zeit zwischen Heinrich VII. (1308-1311) und Sigismund (1411-1437) von fundamental unterschiedlichen Herrscherpersönlichkeiten geprägt. Weniger als geradlinige Entwicklungen scheinen dabei Diskontinuitäten und Brüche die Regierung der Könige und Kaiser zu charakterisieren – ein Eindruck, den auch die Zeitgenossen teilten: Sie rezipierten und kommentierten die unterschiedlichen Herrschaftsstile, die die Luxemburger als Helden, Heilige oder gar Wüteriche erscheinen ließen.
Die geplante Konferenz zur interdisziplinären Mittelalterforschung stellt deshalb die Frage, ob es ein ‚langes Jahrhundert der Luxemburger‘ von 1308 bis 1437 gab. Unter dem Leitbegriff des ‚Herrschaftsstils‘ wollen junge Historiker/-innen und Kunsthistoriker/-innen aus Tschechien und Deutschland die Möglichkeiten ausloten, über alle offenbaren Brüche dynastischer oder politischer Art hinweg die europaweite Vorbildfunktion und Tiefenwirkung monarchischer Herrschaftsstile zu analysieren. Mit diesem Ansatz schließt die Konferenz an zwei in den Fächern Geschichte und Kunstgeschichte etablierte Forschungsperspektiven an: Während von Historikern viel zu einzelnen Herrschern gearbeitet wurde, kamen Überlegungen zur Zeit der Luxemburger als Einheit oder gar als Epoche kaum zum Tragen. Gerade aufgrund nationaler und ideologischer Vorprägungen wurden derartige Kontinuitäten oder gar wechselseitige Beeinflussungen von Herrschaftsstilen zumeist nicht in Betracht gezogen. In der Kunstgeschichte dagegen wurde die Zeit der Luxemburger als im überregionalen Austausch stehende Blütezeit der mitteleuropäischen Kunst durchaus als distinkte Epoche gewürdigt. Ihre Artefakte stellte die kunsthistorische Forschung oft sehr rasch in einen konkreten historisch-politischen Kontext. Eine Modifikation der Perspektiven durch die Ergebnisse des jeweils anderen Fachs erfolgte jedoch bisher noch zu selten. Mit der Begegnung junger Wissenschaftler aus Tschechien und Deutschland im Rahmen einer paritätisch besetzten Tagung hoffen die Antragsteller neue, lohnende Wege zu betreten.
Im Rahmen einer zweitägigen interdisziplinären Konferenz soll deshalb diskutiert werden, inwieweit sich die jeweiligen Ausformungen eines konkreten Herrschaftsstils – seien es sakrale Elemente oder ritualisierte politische Handlungen, ostentative Emotionen, genealogische Mythen, Kunstwerke oder literarische Produktionen mit politischer Funktion – auf luxemburgische Prägung oder Vermittlung zurückführen lassen. Die Konferenz gibt vor allem jungen Wissenschaftlern (Doktoranden und Postdoktoranden) aus den Disziplinen Geschichtswissenschaft und Kunstgeschichte die Möglichkeit, ihre eigenen Forschungsergebnisse zu präsentieren.
Mittels dieses interdisziplinären Austauschs junger Wissenschaftler aus Europa können so nicht nur individuelle Herrschaftsstile untersucht werden, vielmehr soll das postulierte ‚lange Jahrhundert der Luxemburger‘ mit seinen Bruchstellen, Verflechtungen und Kontinuitäten in europäischer Perspektive erstmals angemessen erschlossen werden.

>abstract

International Workshop
14.-16. 11. 2013, Prague


The Library and Literary Activities of the Augustinians of Roudnice (Raudnitz), 1333-1500

The Augustinian canonry in Roudnice (founded in 1333 by the Prague bishop John IV of Dražice) is generally considered to have served as a power base of the archbishops of Prague and thus to have been crucial for the formation and development of intellectual life in late medieval Bohemia. At the same time, neither the holdings of the library nor the writings of the canons of Roudnice have been thoroughly researched yet.
The workshop aims at gathering scholars dealing with this particular topic and thus to begin to survey and analyse the manuscripts and texts written by the Augustinians in Roudnice, acquired by them, as well as those written by them during their exile (the canonry was destroyed in 1421 by the Hussites). Through establishing connections between the texts transmitted in particular codices, their models, as well as their vernacular translations, the workshop attempts to contribute to the understanding of the exact role of this particular intellectual centre in the process of vernacularisation of elite Latin discourses, as well as its role in shaping the cultural and intellectual environment of late medieval Bohemia in general.
In addition, scholars focusing on intellectual culture in other Augustinian houses of the time (the second half of the 14th and the first half of the 15th century), or within other orders that might have influenced or be influenced by Roudnice, are most welcome to take part. Their contributions will provide a comparative perspective to this specific case study.

>Programm